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die Städtepartnerschaft Jena - San Marcos

Nachdem es seit Anfang der 1990er Jahre erste, informelle Beziehungen zwischen unseren beiden Städten gab, wurde im Oktober 1998 die offizielle Städtepartnerschaft zwischen Jena und San Marcos beschlossen und vertraglich besiegelt.
Allerdings sind die nicaraguanisch – jenaer Beziehungen wesentlich älter: während der 1980er Jahre gab es in Jena mehrere privat und kirchlich organisierte Solidaritäts-gruppen, die sich für dieses sandinistische Land einsetzten: die von Juristen und Theo-logen gebildete Gruppe „ambulancia“, einen lokalen Ableger der überregional organi-sierten „esperanza Nicaragua - Hoffnung Nicaragua“ und den Paketarbeitskreis „el camino“ – der eine Keimzelle des Eine-Welt-Hauses war.

Dessen Geschichte und die Entstehung der Städtepartnerschaft werden hier erzählt.

Seitdem hat sich die Partnerschaft zu einer Freundschaft entwickelt.

Was aus einem spontanen, von erfolgreichen anderen Beispielen inspirierten Einfall entstand, wird heute von vielen Menschen auf beiden Seiten des Ozeans getragen: Kinder und Jugendliche in beiden Städten wachsen in Schulpartnerschaften hinein und pflegen sie weiter. Spender lernen über Projekte, die sie teilweise über Jahre unterstützen, die Lebensrealität bedürftiger Nicaraguaner und deren Strategien zur Problemlösung, zur Zukunftsvorsorge, zum Umweltschutz kennen. Pateneltern ermöglichen nicaraguanischen Schülern und Studenten eine gute Ausbildung – und oft genug werden die Beteiligten dadurch Teile der jeweils anderen Familie.

Angesichts der Unterschiede in der Geschichte, der Wirtschaftskraft und des sozialen Umfeldes, die zwischen den beiden Städten bestehen, ist es keine Überraschung, dass im Zentrum unserer Beziehungen Projekte der Entwicklungszusammenarbeit stehen. Diese zielen auf die Verbesserung der Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen der Sanmarqueños ebenso wie auf die Stärkung des Umweltschutzes – ohne dabei Kunst und Kultur zu vergessen.

Wir sind uns dabei jedoch bewusst, dass diese „Entwicklung“ keine Einbahnstraße ist, sie beginnt auch hier in Europa. Um Armut und Ungerechtigkeiten zu beseitigen, braucht es ein Erkennen der unfairen globalen Produktions- und Handels-bedingungen. Dieser erste Schritt sollte dazu führen, Veränderungen auch hier einzuleiten – was ein Grund dafür ist, dass wir viel Zeit und Kraft in Bildungsprojekte und Informationsarbeit hier in Jena und im näheren Umfeld stecken.

Dazu gehört die Förderung des Fairen Handels
Im Jahr 2004 wurde Jena Hauptstadt des Fairen Handels, eine Gruppe von Schülern und Lehrern aus San Marcos, die an einem Schüleraustausch teilnahmen, waren bei der Preisverleihung anwesend.

Die Projekte und Programme, die wir in unserer nicaraguanischen Partnerstadt begleiten, werden möglich durch private Spenden wie auch durch Fördermittel der Stadt Jena, von Bundesministerien oder Stiftungen.

Alle Aktivitäten der Städtepartnerschaft werden in Zusammenarbeit mit dem Verein APRODIM in San Marcos umgesetzt.

Größere und langjährige Projekte wie der kommunale Radiosender, das Vorschul-projekt oder Saatguthilfe konnten und können nur durch gemeinsame Anstren-gungen der drei europäischen Partnerstädte von San Marcos – das sind neben Jena das schweizerische Biel/Bienne und das niederländische Helmond – möglich gemacht werden.

Eine Frage, die uns häufig gestellt wird, ist: wenn wir so viel geben – was bekommen wir dann zurück??
Das muss jeder für sich selbst entscheiden: menschliche Wärme, Solidarität und/oder das Gefühl, in der Einen Welt, in der wir leben, das Notwendige zu tun: zu teilen; dafür zu sorgen, dass wir alle die gleichen Chancen haben; sich austauschen; unsere gemeinsame Zukunft gestalten…

Wer möchte, kann in Nicaragua dabei sein, wenn Probleme schnell und einfach gelöst werden. Er kann sehen, wie die negativen Auswirkungen des Klimawandels in das Leben jedes Menschen hineinwirken. Oder wo der Kaffee und der Kakao herkommen, die viele von uns zum Tagesanfang brauchen, und wie diese Produkte unter Fairen Bedingungen hergestellt werden. Oder…

Jeder kann und soll aus unserer Partnerstadt das mitnehmen, was den Aufenthalt dort so interessant und wertvoll gemacht hat.

Bei allen Unterschieden, die uns auszeichnen, sind so über die Jahre transnationale Freundschaften entstanden, die wir zum Vorteil unserer Partner in Nicaragua zu nutzen wissen.