Betreuung von behinderten Kindern und Jugendlichen

Seit dem Jahr 2000 und insbesondere auf Anordnung der Vizepräsidentin der Republik Nicaragua erhalten Menschen mit Behinderung mehr Aufmerksamkeit: Grund- und Oberschulen sind angehalten, inklusive Erziehung zu ermöglichen und es wurde ermöglicht, dass Behinderte bevorzugt Arbeitsplätze in öffentlichen Verwaltungen erhalten.

Da jedoch dem Staat nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um diese Ziele zu erreichen, haben wir uns dazu entschlossen, die aktuelle Phase des Medizinprojektes auf die Betreuung von behinderten Menschen auszurichten. Dabei kooperieren wir erstmals mit dem staatlichen Bildungsministerium.

Bis zum Start des Projektes im Juni 2017 gab es eine große Zahl von Hürden zu überwinden und Steine aus dem Weg zu rollen. Auf Grund politischer Ver- und Entwicklungen konnten wir nicht - wie bisher sehr erfolgreich praktiziert - mit dem staatlichen Gesundheitswesen kooperieren, sondern mussten neue Wege finden. Mit William Ubau, dem lokalen Vertreter des Bildungsministeriums, haben wir nun einen Partner gefunden, mit dem wir seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten und mit welchem wir ein wiederum erfolgreiches Projekt verwirklichen können.
Koordiniert wird das Vorhaben von Gioconda Mercado, der Direktorin der Behinderteneinrichtung.

Bis zum Ende des Jahres 2016 lief eine Evaluierungsphase, während der wir herausfinden wollten, wie viele Betroffene in unserem Einzugsgebiet leben, welche Form der Behinderung sie haben und wie wir ihnen am besten Hilfestellung geben können. Dazu wurden behinderte Kinder und Jugendliche in ihren Familien aufgesucht, vor allem in der ländlichen Region von San Marcos und den umliegenden Gemeinden, aber auch Nachbarstädten wie Masatepe, La Concha, Ticuantepe, da es dort keine Betreuung gibt. Unterstützt wurden die Projektmitarbeiter dabei von den jeweiligen Stadtteilverantwortlichen. In den Haushalten wurden der gesundheitliche Zustand der Patienten und ihr Entwicklungsstand aufgenommen. Gleichzeitig wurde mit einer Familienarbeit begonnen, die Eltern über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt und mit allen Beteiligten die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten besprochen.

Gioconda Mercado, Direktorin der Behinderteneinrichtung

Die Projektmitarbeiter berichten, dass Anfragen seitens der Eltern zunehmen und daher Projekte wie das vorliegende immer wichtiger werden. Zudem ist ein Phänomen zu beobachten, das auch hierzulande gut bekannt ist: überforderte Eltern erwarten von den Lehrern, dass diese psychische Probleme oder Entwicklungsstörungen ihrer Kinder „reparieren“.
In den Schulen wiederum ist bekannt, dass es viele Schüler gibt, die offenkundig Probleme haben, die aber noch keiner Diagnostik zugeführt worden sind. Hier kann unser Projekt nur punktuell ansetzen.

Das Ziel des Projektes ist es, behinderten Kindern und Jugendlichen ein Leben mit mehr Selbstständigkeit und Selbstvertrauen zu ermöglichen. Dabei geht es neben beispielsweise der Erhaltung von Beweglichkeit und Schmerztherapie auch darum, sehbehinderten Kindern mit Hilfe eines Mobilitätstrainers eine unabhängige Bewältigung des Schulweges möglich zu machen.
Natürlich wollen wir auch Öffentlichkeit für unser Anliegen schaffen und so wird es zusätzlich Informationsveranstaltungen geben, in denen Menschen mit Behinderung ihre in Nikaragua durchaus vorhanden Rechte und Möglichkeiten aufgezeigt werden sollen und deutlich gemacht werden soll, wie Integration möglich sein kann. Wir wollen versuchen, mit unserem Projekt einen selbstverständlicheren Umgang mit Behinderung in Gang zu bringen. Die Menschen sollen "raus aus ihren Hütten und Häusern" und Teil des Stadtbildes werden. Nur so kann gesehen werden, dass auch Menschen mit Behinderung eine Bereicherung für die Gesellschaft sein können.

William Ubau, der lokale Verantwortliche des Erziehungs-
ministeriums

Dazu gehört auch, dass wir im Rahmen des Projektes den Schulbesuch der behinderten Kinder fördern bzw. denjenigen Behinderten, die in die Schule gehen, bessere und an ihren gesundheitlichen Zustand angepasste Lernbedingungen bieten wollen. So werden derzeit in der Oberschule „Juan XXIII“ sieben taubstumme, ein blinder und sechs geistig behinderte Schüler betreut, das ist die erste Schule auf nationaler Ebene, die derart viele behinderte Schüler inklusiv betreut. Der Psychologe arbeitet dabei auch mit Lehrern und Mitschülern zusammen und bietet Konfliktberatung in den Klassen an, in denen hör- oder sehgeschädigte Kinder lernen.

In Kooperation mit der „escuela especial“ von San Marcos, der schon bestehenden staatlichen Schule für behinderte Menschen, möchten wir in der Zukunft zum Beispiel auch Ausbildungsmöglichkeiten in einem speziellen Ausbildungszentrum schaffen. Bereits erreicht wurde eine Verbesserung der physiotherapeutischen Behandlung: mit einer Spende von Christiane Weber konnten verschiedene Geräte gekauft werden.

In der Behindertenschule führt die im Projekt angestellte Physiotherapeutin Frühstimulation für Kinder und Jugendliche durch, derzeit sind das 10 Behinderte. Parallel wird, sofern notwendig, eine physiotherapeutische Behandlung durchgeführt. Als neue Methode werden für die Patienten neue Verfahren wie z. B. Therapietanz angeboten.

Im Projekt sind zwei Spezialisten angestellt:

Arlen A. Calero Perez, ausgebildete Physiotherapeutin mit 13jähriger Erfahrung der Arbeit mit behinderten Kindern. Serguei R. Garcia Mendieta, Psychologe.

Arlen betreut Kinder und Jugendliche regelmäßige und Hausbesuche gehören zu den Aufgaben von Arlen und Serguei. Serguei besucht 6-8 Mal im Monat die Schulen, in denen inklusiver Unterricht stattfindet. Er arbeitet mit 20-23 Eltern.

Arlen A. Calero Perez, ausgebildete Physiotherapeutin mit 13jähriger Erfahrung der Arbeit mit behinderten Kindern.
Serguei R. Garcia Mendieta, Psychologe
Arlen betreut Kinder und Jugendliche
regelmäßige Hausbesuche gehören zu den Aufgaben von Arlen und Serguei
 

Verlaufsbeobachtungen und Fallberichte

Aus den etwa 50 Kindern und Jugendlichen, die von Arlen und Serguei ständig betreut werden, haben wir acht Behinderte ausgewählt, deren Entwicklung wir in den kommenden Jahren begleiten wollen.
So können Sie verfolgen, was Sie mit Ihren Spenden in unserer Partnerstadt bewirken. Klicken Sie auf eins der Fotos, um die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Alison Adriana Alemán Muñoz
Andrea Jaanai Velásquez Flores
Dilan Leonel Cundano Aguilar
Eli Francisco Lezama Castillo
Hilary Guadalupe Pineda
Julio Cesar Guevara Villalta
Marcos Javier González Narváez
Marcos Sebastián Blas Espinoza

weitere Eindrücke aus dem Projekt