kommunale Biogasanlage

Für Nikaragua wie für viele Länder des Südens ist die Nutzung organischer Abfälle und von Biomasse zur Produktion von Biogas eine ernsthafte Alternative zur Lösung der Energieprobleme. Da diese Länder meist landwirtschaftlich geprägt sind, fällt eine große Menge biologischer, teilweise hochwertiger Materie an: Reste von Zuckerrohr, Maispflanzen usw.
In San Marcos besteht der Siedlungsmüll zu 80% aus organischem Material. Auch wenn dieses nicht vollständig zu Biogas und Kompost verarbeitet werden kann, lohnt sich der Bau von Biogasanlagen für diese Ausgangsstoffe. Dabei werden mehrere ökologische Ziele verfolgt:


- der Ersatz von Holz für Kochzwecke durch Biogas, um so die Entwaldung des Landes zu reduzieren;
- eine drastische Verminderung der Menge zu deponierenden Mülls
- die Verwendung des Restmaterials aus den Biogasanlagen als Kompost zur Bodenverbesserung;
- schließlich können die Anlagen mit Blockheizkraftwerken zur Stromerzeugung zu verbunden werden.

San Marcos ist die erste lateinamerikanische Stadt, in der eine kommunale Biogasanlage organischen Haus- und Gewerbemüll zu Kochgas verarbeitet. Der erfolgreiche Betrieb dieser großen Anlage gibt uns den Mut, kleine dezentrale Biogasanlagen zu propagieren. Diese werden hauptsächlich in den peripheren Stadtvierteln und zu San Marcos gehörenden Dörfern installiert. Nutzer sind Familien und kleine landwirtschaftliche Produzenten, die über ausreichend Biomasse verfügen. Wie bei der städtischen Anlage besteht das Ziel darin, Holz als Brennstoff durch Biogas zu ersetzen.

Mit Mitteln aus dem Entwicklungshilfefonds der Stadt Jena und privaten Spenden aus Biel/Bienne und Helmond wurde im Jahr 2012 eine Biogasanlage auf dem Wertstoffhof von San Marcos installiert, die ausschließlich mit Abfällen aus benachbarten Stadtvierteln betrieben wird. Das ist uns wichtig: es werden weder Mais (das Grundnahrungsmittel der Nikaraguaner) noch andere Feldfrüchte in die Biogasanlage eingebracht.

Die europäischen Partnerstädte von San Marcos (Biel/Schweiz, Helmond/NL und Jena) haben den Kauf von Pferdewagen für die Stadtverwaltung von San Marcos finanziert, so dass der organische Müll getrennt eingesammelt werden kann.
Begleitend findet, unterstützt von der Städtepartnerschaftsgruppe Biel, eine Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Stadtkern von San Marcos statt. Dabei besteht das Ziel darin, eine Mülltrennung zu etablieren, die die Weiterverwertung der Sekundärrohstoffe erlaubt, und die Zahlungsmoral der Müllgebühr zu erhöhen.

Werdegang der Biogasanlage

Neustart der Biogasanlage im November 2016

Nachdem die kommunale Biogasanlage im Jahr 2012 erfolgreich in Betrieb genommen wurde, funktionierte sie drei Jahre lang zur Zufriedenheit aller Beteiligten und versorgte wie vorgesehen 15 Familien im benachbarten Stadtviertel mit Gas zum Kochen. 

Danach traten leider administrative und technische Probleme auf: Die Zusammenarbeit zwischen den Städtepartnerschaftsvereinen in San Marcos und Jena mit der dortigen Stadtverwaltung verschlechterte sich. Infolgedessen konnte nicht mehr ausreichend Biomasse zur Anlage transportiert werden, um deren Betrieb aufrechtzuerhalten und die benötigten Mengen an Biogas zu erzeugen.

Hinzu kam, dass früher als von uns erwartet eine Reinigung der Gärkammern notwendig wurde. Das war uns bei Installation der Anlage nicht bekannt - was leider von den Konstrukteuren dahingehend ausgenutzt wurde, überzogene Preise für die Ausführung dieser Arbeiten zu verlangen.

Aus diesen Gründen stand die Biogasanlage über ein Jahr lang still – eine für uns alle unbefriedigende und den Geldgebern gegenüber beschämende Situation.

Wir, die Verantwortlichen bei APRODIM und Eine-Welt-Haus, hatten ziemlich schnell unsere Möglichkeiten ausgeschöpft, um diese zwei Hindernisse aus der Welt zu räumen und die Biogasanlage ihrem ursprünglichen Zweck zuzuführen. Erst ein offenes und kollegiales Gespräch unseres Oberbürgermeisters Dr. Albrecht Schröter mit der Bürgermeisterin von San Marcos, Julinda Tellez, im August 2016 eröffnete uns neue Wege: Nunmehr liegen der Betrieb der Anlage und die Nutzung des Biogases in der Verantwortlichkeit von APRODIM. Im Oktober 2016 endlich wird die Anlage gereinigt und mit neuer Starterflüssigkeit gefüllt. Der technische Zustand wird überprüft und die Anlieferung von organischem Material neu organisiert.

Gemeinsam planen wir, die Biogasanlage in das umfassende Umweltprojekt einzugliedern, das wir gemeinsam mit den Städtepartnerschaftsgruppen in Biel/Bienne und Helmond planen. Dank des Einsatzes unseres OB kann die Biogasanlage nun so genutzt werden, wie es ursprünglich geplant war: sie trägt dazu bei, die Menge zu transportierenden und zu deponierenden Siedlungsmüll zu reduzieren, den Ausstoß von Methan zu vermindern und durch die Lieferung von Biogas den Holzverbrauch der Familien zu begrenzen.