PROMUJER - Für die Frau

 

Für die Frau - und gegen familiäre Gewalt


So lassen sich mit wenigen Worten Projektgedanke und- ziele des Frauenrechtsprojekts auf den Punkt bringen, das wir gemeinsam mit APRODIM in den Jahren 2000 bis 2010 in San Marcos organisierten.

Innerfamiliäre Gewalt ist - besonders in den ländlichen Gemeinden Nicaraguas - leider keine Seltenheit. Darunter leiden zum Großteil Frauen, die der Gewalt ihrer Ehemänner ausgesetzt sind, sei es durch Drohungen und Erpressungen oder schlicht durch Handgreiflichkeiten. Das Ziel von PROMUJER war es daher, in unserer Partnerstadt San Marcos gegen die innerfamiliäre Gewalt vorzugehen, Betroffenen zu helfen und die Rechte von Frauen und Kindern zu verteidigen.


Der Anlass, das Frauenrechtsprojekt PROMUJER zu initiieren, war die dramatische Verschlechterung der sozialen, wirtschaftlichen und vor allem auch rechtlichen Situation von Frauen in Nicaragua, das in den 1990er Jahren von neoliberalen Regierungen dominiert wurde. In den von uns betreuten Projekten und im privaten Umfeld sahen wir immer wieder die Folgen struktureller Gewalt für die Einzelne: Frauen, die in ihrer Familie oder am Arbeitsplatz physische oder psychische Gewalt erlebten; Frauen und junge Mädchen, die von den Vätern ihrer Kinder keine Unterstützung erhielten und sich deswegen oftmals genötigt sahen, sich dem nächsten Mann zu unterwerfen; Frauen, die ihre Rechte nicht kannten und deswegen nicht wahrnehmen konnten.

Die Projektdurchführung hatte vier Phasen, von denen die letzte (2008-2009) von "Misereor" finanziert wurde. Förderer der vorangegangenen Teilabschnitte waren die "Stiftung Nord-Süd-Brücken", die "Missionszentrale der Franziskaner" sowie der "Weltgebetstag der Frauen - Deutsches Komitee e.V."

 

Tätigkeitsbereiche

An der Projektarbeit waren drei festangestellte Mitarbeiter beteiligt.

Eine Promotorin besuchte regelmäßig die verschiedenen Stadtteile und Außenviertel von San Marcos, um dort mit betroffenen Familien zu sprechen und diese zu beraten. Zudem organisierte sie gemeinsam mit einer weiteren Mitarbeiterin des Projekts Schulungen für Frauen, in denen nicht nur Themen des Frauenrechts und der innerfamiliären Gewalt, sondern auch Inhalte zu Gender, Selbstvertrauen und elterlichen Pflichten behandelt wurden.

Im Büro unseres Partnervereins APRODIM konnten sich die Frauen zudem von einem Anwalt kostenlos beraten und ihre Anliegen rechtlich vertreten lassen.
Dieses Angebot wurde im Jahr von über 100 Klientinnen dankend angenommen.

 

Kinderrechte sind der Eltern Pflicht

Bei der Zusammenarbeit mit Frauen in San Marcos und während ihrer Betreuung stellte sich bald heraus, dass diese mit weiteren familiären Problemen zu kämpfen haben, welche ebenfalls als Produkte der Ausübung psychischer Gewalt seitens ihrer Ehepartner zu sehen sind. So erhalten viele alleinerziehende Mütter von den Vätern ihrer Sprösslinge keine finanzielle und materielle Unterstützung in Form von Unterhaltszahlungen. Um diesen Missstand entgegen zu arbeiten, bot PROMUJER auch hier vielen Betroffenen Hilfe und kostenlose juristische Vertretung an, um ihnen zu ermöglichen, dieses Recht zum Wohle ihrer Kinder einzuklagen.


In einer Evaluierung der 10 Jahre Projektlaufzeit sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir die Unterstützung von Frauen und Mädchen in San Marcos auf eine höhere Stufe heben müssen. Wir haben gesehen, dass es Frauen natürlich weiterbringt, wenn sie ihre Rechte kennen und wenn sie wissen, an wen sie sich wenden müssen, um ihre Interessen durchzusetzen. Aber das umfassendste Gesetz und der beste Rechtsanwalt können nicht helfen, wenn eine Frau ihren gewalttätigen Mann nicht verlassen kann, weil sie finanziell von ihm abhängig ist. So kamen wir zum Entschluss, ein Programm zur Ausgabe von Kleinkrediten an Frauen zu beginnen und die Gruppen von Kreditnehmerinnen wirtschaftlich wie auch sozial zu betreuen.