Nicaragua

hier finden Sie Informationen über die Projekte der Städtepartnerschaft Jena - San Marcos/Nicaragua

Kein Text beschreibt das wunderschöne Land Nicaragua besser als dieses Lied von Luis Enrique Mejía Godoy:

Este pais (lo hermoso vence a lo absurdo)

Este pais es tormenta de luz,
inevitablemente.
Un aguacero de amor sin fronteras,
alla en mi gente.
Este pais que me crece y florece en la voz
de mi gitarra.
Este pais cada dia honramos a dios
con el trabajo.
Este pais es volcán, erupción de maiz
y rebeliones.
Y edifica el porvenir contra el viento brutal
de las traiciones.
Este pais que se gana la vida venciendo a la
muerte con la alegria.
Este pais con mas niños graduados de hombres
en cuerpo y alma.
Este pais de poetas, de locos amantes y
Soñadores.
Viene una luz de tu frente
que es codice escrito a sangre y fuego.
Este pais es trinchera,
semilla y canción para el futuro.

Dieses Land (das Schöne besiegt das Absurde)

Dieses Land ist ein Sturm aus Licht,
zwangsläufig.
Ein Gewitterregen aus grenzenloser Liebe,
dort in meinen Leuten.
Dieses Land, das mir wächst und blüht in der
Stimme meiner Gitarre.
Dieses Land, wo wir an jedem Tag Gott zur Ehre
gereichen mit unserer Arbeit.
Dieses Land ist Vulkan, Eruption von Mais
und Rebellionen.
Und es errichtet die Zukunft gegen den brutalen
Wind des Verrats.
Dieses Land, das sich seinen Lebensunterhalt
verdient, indem es den Tod durch Freude besiegt.
Dieses Land mit den vielen Kindern,
die an Leib und Seele Erwachsene sind.
Dieses Land der Poeten, der verrückten
Verliebten und der Träumer.
Es kommt ein Licht aus deinem Gesicht,
das eine Geheimschrift aus Blut und Feuer ist.
Dieses Land ist Schützengraben,
Samen und Gesang für die Zukunft.
Genau hier, wo das Schöne das Absurde besiegt.

San Marcos und Jena

Zwei so weit voneinander entfernte, sich so nahe Städte.

Zwei so ähnliche und doch so unterschiedliche Städte.

San Marcos ist mit ca. 32.000 Einwohnern eine mittelgroße nicaraguanische Stadt und passt schon deswegen als Partnerstadt gut zu Jena.

San Marcos hat eine territoriale Ausdehnung von 108 km2 und besitzt damit eine ähnliche Größe wie Jena mit dem Saale-Holzland-Kreis.

Aber natürlich gibt es auch Unterschiede: Jena wird aufgrund seiner ökonomischen Fähigkeiten, seiner Kultur und seiner Universität gern als einer der "Leuchttürme des Ostens" bezeichnet. San Marcos ist eine normale, arme Stadt im Westen Nikaraguas. Die ländliche Zone um den Stadtkern von San Marcos ist ein vergessenes, verarmtes Gebiet mit für uns unvorstellbaren Problemen.

Diese, vor allem wirtschaftlichen Unterschiede zwischen unseren beiden Städten, sind die Ursache dafür, dass Projekte der Entwicklungszusammenarbeit im Zentrum unserer Aktivitäten stehen.

Dennoch sind wir der Überzeugung, dass mehr möglich ist: wir können voneinander und miteinander lernen. Wir können unsere Vergangenheiten kennenlernen und eine gemeinsame Zukunft planen.

All das ist die Städtepartnerschaft Jena – San Marcos.


Internetseite von San Marcos: http://www.manfut.org/carazo/marcos.html

Das kommunale Museum und historische Fotos von San Marcos

Ausbildungspatenschaften für Schüler und Studenten in San Marcos

Eine solide Schul- und Berufsbildung ist die wesentliche Grundlage für ein selbständiges Leben. Das gilt in der BRD wie in Nicaragua. Mit dem Unterschied, dass in Deutschland die Angebote in Schulen ständig verbessert werden und Konkurrenz zwischen verschiedenen Schulformen besteht, um den Lernenden den Schulaufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.
In Nicaragua gibt es simple Gründe, die den Schulbesuch unmöglich machen: in einer Familie kann das Bargeld fehlen, um den Schulbus zu bezahlen. Oder ein Kind muß arbeiten, um so zum Einkommen der Familie beizutragen.
Oder... es ließen sich viele Gründe aufzählen, die für uns Mitteleuropäer schwer nachvollziehbar sein mögen, in Mittelamerika aber bittere Realität sind.
Obwohl im heutigen Nicaragua viele Hindernisse für den Schulbesuch der Kinder und Jugendlichen abgebaut sind (es gibt keine Schulgebühren, die Gehälter der Lehrer wurden angehoben), gibt es noch viele Eltern, die auf eine externe Hilfe angewiesen sind.

Doch viele Kinder und Jugendliche wollen lernen. Trotz widriger Umstände.
Da ist der dreizehnjährige Oberschüler, der morgens um vier Uhr aufsteht, um mit seiner Tante an einer Straßenecke Zeitungen zu verkaufen und so das Fahrgeld in die Schule bezahlen zu können. Oder die zwanzig Jahre junge Mutter, die wochentags in einer Textilfabrik arbeitet, um sonnabends studieren zu können.

Für Kinder und Jugendliche wie diese haben wir im Jahr 2000 ein Patenschaftsprogramm begonnen. In der Oberschule von San Marcos wurde uns damals eine Jugendliche vorgestellt, bei der die Gefahr bestand, dass sie das Abitur nicht würde abschließen können: ihr Vater war nach einem Unfall schon lange arbeitsunfähig und ihre Mutter musste wegen einer akuten Erkrankung in die Klinik. Wir publizierten dieses Problem in einer Jenaer Lokalzeitung und innerhalb weniger Tage hatten sich so viele potentielle Pateneltern gemeldet, daß wir nach San Marcos mailen konnten: Wir können noch weitere 6 Stipendien vergeben.

Heute haben wir über 160 Patenschaften, drei Jenaer Projektverantwortliche, mit Carmen Hernandez in San Marcos eine nicaraguanische Sozialarbeiterin, die für die Betreuung der Patenkinder und ihrer Familien verantwortlich ist, eine Mitarbeiterin für die Verwaltung des Patenschaftsprogramms und fast immer Jugendliche aus Jena, die während eines freiwilligen Jahres in San Marcos im Patenschaftsprogramm arbeiten.

Mit der Übernahme einer Ausbildungspatenschaft haben Sie die Möglichkeit, eine Schülerin, einen Schüler in seiner Schullaufbahn finanziell und  - so Sie wollen - auch ideell zu unterstützen. Mit Ihrer Spende wird dem Patenkind Schulmaterial und ein kleines Taschengeld zur Verfügung gestellt.

 

 

weitere Informationen
Lebensgeschichten von Patenkindern
Zeitungsartikel
Haben Sie Fragen? Hier sind Antworten.
Berichte von Freiwilligen

Die im Eine-Welt-Haus für das Patenschaftsprogramm Verantwortlichen erreichen Sie unter dieser E-Mail-Adresse: patenschaften@einewelt-jena.de

Umweltschutz

Was zu tun ist. Eine Strategie gegen die globale Erwärmung

Die globale Erwärmung ist ein globales Problem, und dennoch möchte niemand die Kosten dafür tragen, daß es behoben wird. Alle wollen kostenlos von den anderen profitieren. Dabei ist es in unser aller Interesse, daß die Weltgemeinschaft koordinierte Schritte gegen die globale Erwärmung unternimmt.
Nicht nur die USA, auch die Entwicklungsländer müssen mit ins Boot geholt werden, aber zu fairen Konditionen und Zielvorgaben, die man auch durchsetzen kann. Solange die Verringerung von Emissionen mit Kosten verbunden ist, wird es ansonsten Anreize geben, die Verpflichtungen nicht zu erfüllen.
Wir müssen Mittel und Wege finden, diese Kosten in den Griff zu bekommen.

Obgleich das Kyoto-Protokoll den Entwicklungsländern keine Verpflichtungen auferlegt, steht doch fest, daß auch sie ihre Emissionen reduzieren müssen, wenn die Staatengemeinschaft die globale Erwärmung erfolgreich bekämpfen möchte. Einfach so weitermachen wie bisher wird nicht mehr genügen: eine Welt, in der alle Länder pro Kopf die gleiche Menge an Treibhausgasen ausstoßen wie die USA heute, ist eine Welt, die das Drehbuch für ihren Untergang schreibt.
Nach gegenwärtigen Hochrechnungen werden die Entwicklungsländer um das Jahr 2025 mehr Treibhausgase emittieren als die Industrieländer: Auch wenn sie pro Kopf der Bevölkerung viel weniger emittieren, nehmen ihr Bruttosozialprodukt und ihre Bevölkerung zu, so daß auch ihr Schadstoffausstoß ansteigen wird.


Joseph Stiglitz, US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler


Um so erfreulicher ist es, daß es Umweltschutzprogramme im globalen Süden gibt, die mit einer Reihe staatlicher Förderprogramme und privaten Spenden finanziert werden.
Für uns als Städtepartnerschaft stehen ökologische Projekte im Vordergrund unserer Aktivitäten.

Was läuft und was bisher erreicht wurde: (durch Klicken auf die Fotos kommen Sie zu den Projektbeschreibungen)

aktuell: das Umweltprojekt 2017 - 2020

Klimapartnerschaft Jena - San Marcos
Umweltprojekt 2017 - 2019
Wiederaufforstungsprojekt
kommunale Biogasanlage
Solarwasserpumpen
Wasserpumpe in Ojoche de Agua
Photovoltaikanlage im Krankenhaus
solar home systems
biologische Wasserfilter
Photovoltaik für die Schule in San Pedro de los Molinas
 
 

Frauenrechte Kleinkredite

ENGAGEMENT FÜR FRAUENRECHTE IN NICARAGUA
Die lange Geschichte unserer Frauenrechtsprojekte in San Marcos

Wir konnten die Entwicklung einer selbstbewussten, unabhängigen Frau beobachten und begleiten.

Alles begann im Jahr 2000.

Wir als Projektverantwortliche im Eine-Welt-Haus hatten gemeinsam mit APRODIM, unserem Partner in San Marcos, bereits einige kleinere und wenige größere Projekte erfolgreich begleitet und zu Ende geführt. Da wir keine Profis auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit waren und sind, waren unsere Aktivitäten bisher recht ungeordnet. Ein besseres Verständnis der Lebensbedingungen in unserer Partnerstadt und eine wachsende Arbeitsfähigkeit der nicaraguanischen Projektverantwortlichen erlaubten es uns, die Aktivitäten auf konkretere Ziele auszurichten: Bildung, Umweltschutz, Frauenrechte, Wirtschaftsförderung.

 

So kam es, dass APRODIM uns das Projekt PROMUJER - für die Frau - vorschlug. Ziel war es, Frauen jeden Alters und in verschiedenen Stadtvierteln der Partnerstadt über ihre Rechte aufzuklären.

Das muss man erläutern: Die überwiegende Mehrheit der Nicaraguaner hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Zugang zu Informationen über ihre Bürgerrechte, zu Gesetzen. Noch weniger Möglichkeiten hatten Frauen, ihre Rechte gegenüber ihren Männern oder Kindsvätern durchzusetzen.

Hinzu kam, dass in den 1990er Jahren, unter neoliberalen Regierungen, Frauen in Nicaragua häufig auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter reduziert wurden. Hatten sie während der Revolution und in den Jahren der ersten sandinistischen Regierung noch eine tragende Rolle inne, wurden sie mit einer wachsenden Armut und einem zunehmenden Zerfall der Gesellschaft in Klassen und Schichten marginalisiert.

 

Deswegen hatte das Projekt die Aufgabe, Frauengruppen über die Familiengesetze und die Möglichkeit, Alimente von ihren ehemaligen Partnern oder Ehemännern einzufordern, zu informieren. Wir wollten sie so stärken und es ihnen ermöglichen, wieder eine aktivere Rolle in der Gesellschaft einzunehmen.

 

Wir konnten beobachten, wie aus dem kleinen Mädchen, wie aus unseren ersten, sicheren, aber nicht immer zielgerichteten Schritten eine junge Frau wurde. In vielen der Gruppen, die an unserem Projekt teilnahmen, wuchs die Zuversicht.

Da im Projekt auch ein Rechtsanwalt angestellt war, haben sich die Aktivitäten nicht nur auf Informationen und Weiterbildungen beschränkt, sondern es konnte in einer großen Zahl von Fällen erreicht werden, dass Männer gerichtlich dazu gezwungen wurden, ihre Alimente zu bezahlen. Fälle innerfamiliärer Gewalt wurden juristisch bearbeitet und, wo es notwendig war, vor Gericht gebracht.

Als wir nach zehn Jahren Projektlaufzeit das Erreichte mit den gesteckten Zielen verglichen, konnten wir sehen, wie weit wir gekommen waren, wie viele Frauen um ihre Rechte wussten und wie viele von ihnen wir dabei unterstützen konnten, diese auch durchzusetzen. Und dennoch war das noch nicht alles, was wir wollten...

Wir haben gesehen, dass es in vielen Fällen nicht ausreichte, wenn Frauen ihre Rechte kannten. Aus den Berichten der Projektverantwortlichen mussten wir erfahren, dass einige der Frauen, die wir in den Projektgruppen teilweise über Jahre begleitet hatten und die wir sogar bei Gerichtsprozessen helfen konnten, am Ende zu ihren Männern oder Partnern zurückkehrten: was nützt es einer Frau, ihre Rechte zu kennen, wenn sie wirtschaftlich und finanziell oder in der Wohnsituation von ihrem Mann oder im schlimmsten Fall von demjenigen, der sie ausgebeutet oder geschlagen hat, abhängig ist und sich deshalb nicht von ihm trennen kann.

Das brachte uns zu der Erkenntnis, dass wir im Anschluss an PROMUJER ein Programm auflegen müssen, das Frauen in Kollektiven organisiert und ihnen die Möglichkeit gibt, eigenständig wirtschaftliche Aktivitäten zu beginnen oder auszubauen und so finanziell unabhängig zu werden. Angesichts der Tatsache, dass sowohl APRODIM als auch das Eine-Welt-Haus in diesen Jahren an und mit ihren Projekten gewachsen waren, wagten wir uns auf eine höhere Ebene: ein dreijähriges Kleinkreditprogramm, für das wir Fördermittel beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit beantragten. Dieser Antrag wurde bewilligt und, aufbauend auf den bereits bestehenden Frauengruppen in den verschiedenen Stadtvierteln und Dörfern, wurden Solidargruppen gebildet. Diese hatten die Aufgabe, die an die Mitglieder ausgegebenen Kredite zu verwalten und deren Verwendung zu überwachen.

PROFIMESAMA, das „Projekt zur Förderung von Kleinkrediten“ formte und begleitete in den Jahren 2012 bis 2014 insgesamt 200 Frauengruppen.

Ein wesentlicher Erfolg des Programms lag darin begründet, dass den Begünstigten nicht nur Geld geliehen wurde, sondern dass sie in ihren wirtschaftlichen Aktivitäten begleitet und beraten wurden. Die zwei im Programm angestellten Promotoren haben eine wirtschaftliche Ausbildung und waren vorher in ähnlichen Projekten aktiv.  

Neben der wirtschaftlichen Beratung wurde die psychosoziale Begleitung der Projektteilnehmerinnen weitergeführt, wobei häufig nicht nur die Promotoren, sondern vor allem auch die übrigen Mitglieder der Solidargruppen füreinander aktiv wurden. Dieses gegenseitige Helfen und Mutmachen war eine Voraussetzung dafür, dass die überwiegende Mehrzahl der Solidargruppen über die gesamte Projektlaufzeit stabil blieb und teilweise heute noch zusammenarbeitet.

 

Die junge Frau, die wir seit Jahren kannten, wurde zu einer reifen, selbstbewussten Frau, die sich und ihre Kinder – in einigen Fällen den zugehörigen Mann gleich mit – ernähren konnte. Sie steht auf eigenen Beinen und wurde zum Vorbild für andere, konnte ihnen zeigen, dass es Wege und Möglichkeiten gibt, der Abhängigkeit oder der Misshandlung zu entfliehen.

 

Am Ende der Projektlaufzeit zeigte sich uns ein riesiger Erfolg: die Mehrzahl der Solidargruppen blieb stabil, durch pünktliche Rückzahlungen der Kredite und Zinsen hatte sich ein solider finanzieller Grundstock gebildet – und, am wichtigsten: viele der von PROFIMESAMA Begünstigten wollten weitermachen.

Und nun? Es begann eine Zeit intensiver Diskussionen in San Marcos und Jena. Wie weitermachen? Was wird mit dem angesparten Geld? Können wir die Frauen allein weitermachen lassen?  

In Nicaragua war zu diesem Zeitpunkt, im Jahr 2105, wieder eine sandinistische Regierung an der Macht. Diese hatte aus den Erfolgen und den Fehlern aus den 1980er Jahren gelernt. In einem Land, dessen Ökonomie von Landwirtschaft und Kleinbetrieben geprägt ist, muss es ein funktionierendes Kreditwesen für die Zielgruppe der kleinen und mittleren Produzenten geben. Man hatte aber aus eigenen Erfahrungen und denen anderer, befreundeter Regierungen gelernt: der paternalistische Ansatz, aus dem heraus früher häufig Geschenke gemacht wurden, ist als verbesserungswürdig erkannt worden. Der Staat förderte nun die Vergabe von Sachmitteln und Darlehen, wobei damit meist eine Gegenleistung verbunden war.

Da wollten wir mitmachen: Gemeinsam mit allen Beteiligten entschieden wir uns, eine Kooperative zu gründen. Nach einem zugegebenermaßen langwierigen, bürokratischen und für die Verantwortlichen aufreibenden Prozess wurde im Februar 2015 die Kooperative CACSAM – die „Spar- und Kreditkooperative von San Marcos“ – gegründet. Zu diesem Zeitpunkt schrieben sich 85 Frauen und wenige Männer als Gründungsmitglieder der Kooperative ein. Viele von ihnen hatten schon Monate vorher freiwillig eine Einlage von 300,00 Córdoba (umgerechnet ca. 12,00 Euro) geleistet.

 

Heute, im Jahr 2016, hat die Kooperative 65 Mitglieder, denen sie die Möglichkeit gibt, Kredite für kleine und mittlere wirtschaftliche Aktivitäten zu erhalten – Konsumkredite werden nicht vergeben. Die Zinsen von effektiv 18% pro Jahr sind moderat – Banken und andere Kreditorganisationen verlangen schonmal 40% und als Sicherheit das Wohnhaus oder die Produktionsmittel des Betriebes. So etwas gibt es bei unserer Kooperative nicht.

 

Wir haben uns getrennt. Die starke Frau, die wir über Jahre begleiten durften, geht heute ihren eigenen Weg.

 

Die Kooperative arbeitet unabhängig von APRODIM und vom Eine-Welt-Haus.

Aber natürlich nehmen wir weiterhin Spenden entgegen, um den Kapitalstock der Kooperative auszubauen und zu stärken. Sie als Spender können so dazu beitragen, dass von Geschlechtergerechtigkeit nicht nur geredet wird, sondern dass sie in den Alltag der Frauen in Nicaragua einzieht.

 

 

 

Spenden erbitten wir auf das Konto des Eine-Welt-Haus e.V. DE 96 830 530 300 000 030 600 unter dem Stichwort „Kooperative“.

Das kommunale Radio "Stereo Solidaridad" in San Marcos

Marcos Tulio Navarro, Gründungsdirektor von "Radio Solidaridad"
Radiohören kann man immer und überall...

 

 

 

"Wenn ein Radio die Teilnahme der Bürger fördert und ihre Interessen verteidigt; wenn es sich zur Aufgabe macht, den Geschmack der Mehrheit mit Witz und Hoffnungen zu treffen; wenn es wahrhaft berichtet; wenn es hilft, die Tausend und ein Probleme des Alltags zu lösen; wenn im Programm alle Gedanken behandelt und alle Meinungen geachtet werden; wenn die kulturelle Vielfalt statt der Vereinheitlichung der Vermarktung angeregt wird; wenn die Frau Trägerin der Kommunikation ist und nicht bloße Dekoration oder Lockvogel der Werbung; wenn keine Form der Diktatur toleriert wird, nicht einmal die Musik von den DJs aufgezwungen wird; wenn die Worte Aller ohne Diskriminierung und Zensur fliegen - dann ist es ein 'Radio comunitaria'."
José Ignacio López Vigil, Koordinator von AMARC (siehe )

Geschichte des Radioprojektes

Ob der Oberbürgermeister der Stadt Jena, Dr. Albrecht Schröter, und der Vorsitzende des nicaraguanischen Vereins APRODIM, Dr. Roberto Vásquez, bei ihrem Gespräch in San Marcos im Jahr 2006 diese Worte von José López kannten, ist ungewiß. Jedenfalls antwortete Roberto Vásquez auf die Frage von Dr. Schröter, was in San Marcos fehlt: ein Bürgerradio.

Damit war der Grundstein für die Errichtung eines kommunalen Radiosenders in der nicaraguanischen Partnerstadt von Jena gelegt. In der Folgezeit entwickelte sich aus dieser Idee eine internationale Unternehmung, denn der finanzielle Beitrag zur Errichtung des Bürgerradios in Höhe von ca. 30.000 Euro wurde von der Stadt Jena zusammen mit den europäischen Partnerstädten von San Marcos, Helmond/Niederlande und Biel-Bienne/Schweiz, erbracht.

Nun begann die Arbeit, die sich über etwa ein halbes Jahr hinzog - denn der Aufbau eines Radiosenders ist auch in Nicaragua nichts Alltägliches. Zum Beispiel mußte die gesamt Sendetechnik im Ausland gekauft und durch den Zoll gebracht werden.

Ohne die Hilfe von gestandenen Radioprofis hätten wir das nie geschafft. Wir sind Torsten Cott vom Offenen Kanal Jena und William Grigsby vom Radio La Primerisima Managua dankbar für die technische und inhaltliche Unterstützung, mit der sie das Gelingen dieses Projekts möglich gemacht haben.

Internetseite des Radiosenders: https://radiosolidaridad1045.wordpress.com/2012/05/23/comunidad-global/

Torsten Cott (Offener Kanal Jena) und Mario Kaufmann (Eine-Welt-Haus Jena) diskutieren das Projekt.
Torsten prüft die neue Technik.
William Grigsby, ein begeisterter und begeisternder Radiomacher.

So konnte der Radiosender im November 2009 schließlich feierlich der Öffentlichkeit übergeben werden. Wenige Wochen später konnten auch die drei europäischen Bürgermeister, die das Projekt möglich gemacht haben, die Station feierlich an ihren Kollegen Orlando Vega übergeben.

Der Sender "Solidaridad Stereo" ist in seinem Programm politisch und religiös unabhängig. Er steht allen Bürgern der Stadt und der Region offen.
Da es in Nicaragua anders als in der BRD jedoch keine Rundfunkgebühren und insofern keine öffentlich-rechtlichen Medien gibt, muß der Sender sich über Werbung und den Verkauf von Sendezeit selbst finanzieren. So besteht das Programm aus einer guten Mischung aus Sendezeit, die von Kirchen, politischen Parteien, Sportreportern usw. gestaltet und bezahlt wird, und Jugendstunden, Bürgerfragerunden, Informationssendungen usw., die von Gruppen und Vereinen gestaltet und die unentgeltlich gesendet werden.

Dezember 2009: Fons Jacobs (Helmond), Roland Sidler (Biel), Orlando Vega (Bürgermeister von San Marcos), Dr. Roberto Vásquez (Vorsitzender von APRODIM) und Dr. Albrecht Schröter (Bürgermeister von Jena) weihen den Radiosender feierlich ein.

Zusätzliche Informationen 

"Mehr rauschen statt Flimmern - Die Bedeutung von Radios in Nicaragua". Artikel lesen (pdf-Datei)

Interview mit Marcos Tulio Navarro, dem Leiter des Radios "Stereo Solidaridad":  

Und hier die Internetadressen einiger Radiostationen aus Nicaragua, die über das Internet empfangen werden können:

Viel Spaß beim Hören!

rompiendo el silencio - Die Stille durchbrechen

Eine Radiosendung von Jugendlichen für Jugendliche, das ist "rompiendo el silencio".

Es ist ein Radioprogramm, welches seit 2009 besteht und von Montag bis Freitag für jeweils eine Stunde von Schülern gestaltet wird, die in Schulpartnerschaften aktiv sind. Sie bereiten für jede Sen­dung verschiedene Themen vor, die sich auf ihren Alltag beziehen, wie z.B. die Themen Schule, Freizeit und Familienleben, und gestalten außerdem das Musikprogramm.

Entsprechend dem sozialen Anspruch des kommunalen Radiosenders müssen die Schüler nichts für die Sendezeit bezahlen.

Das Projekt auf Facebook: https://www.facebook.com/pages/Rompiendo-El-Silencio/701041919955199
Film über rompiendo el silencio: https://www.youtube.com/watch?v=-dahf6wnqmc

 

 

Bildung und Schulpartnerschaften


Bildung ist der Anfang vieler unserer Projekte.

Wie in der BRD auch ist in Nikaragua ein umfassendes Wissen eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, Kindern und Jugendlichen einen guten Start in das Berufsleben zu ebnen.
Als rohstoffarmes Land braucht Nikaragua für die Stärkung seiner Wirtschaft und die Entwicklung des Sozialsystems fähige Fach- und Hochschulabsolventen.

Der nicaraguanische Staat ermöglicht seinen Bürgern neben einer kostenlosen medizinischen Versorgung auch einen gebührenfreien Zugang zu Grund- und Oberschulbildung sowie zur staatlichen Universität. Wir wollen das Land dabei unterstützen.

Eine individuelle Förderung von Schülern und Studenten ist durch eine Ausbildungspatenschaft möglich, die wir Ihnen gern vermitteln. Die Einzelheiten erfahren Sie hier.

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr über unsere Bildungsprojekte in Nicaragua.

Kindergärten/Vorschulen

Kindergartenerziehung und Vorschulbildung sind in Nicaragua von besonderer Wichtigkeit. Sie ermöglichen es alleinstehenden Müttern, ihre Kinder tagsüber in eine sichere Obhut zu geben. Daneben sind diese Bildungseinrichtungen notwendig, um Kinder, die oftmals zu Hause nur eingeschränkte Lernbedingungen haben, auf die Schule vorzubereiten.

Zur Zeit und teilweise seit Jahren unterstützen wir folgende Einrichtungen:

- die kommunale Vorschule "el campestre" im Stadtviertel Los Campos
- den zu einer Kooperative gehörenden Kindergarten CDI "Samuel Calero"
- die kommunale Vorschule "Maribel Molina" in Kooperation mit iberoamerica e.V. Jena

 

 

Schulpartnerschaften

Die Begleitung von Schulpartnerschaften und Schüleraustauschprogrammen gehört zu den Aktivitäten der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die viel Arbeit und Zuwendung erfordern. Bei solchen Projekten treffen unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen direkt aufeinander. Gleichzeitig bedeutet ein Austausch über Ländergrenzen hinweg eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe und die Möglichkeit, gemeinsam voneinander sowie miteinander zu lernen.

Das Ziel besteht darin, gegenseitiges Interesse und den Austausch zwischen den Kulturen zu fördern. Den Schülern wird eine Möglichkeit geboten, den eigenen Horizont zu erweitern und sich auf sozialer, sprachlicher und kultureller Ebene weiterzuentwickeln.

 

 

 

 

Derzeit betreuen wir Partnerschaften zwischen

der IGS "Grete Unrein" und der "escuela San Marcos"
der Jenaplanschule und dem "Instituto Dulce Nombre" sowie den Grundschulen "Corazon de Jesús" und der "Hermanos Japoneses"
der Kaleidoskop Schule und der Schule "Luis Alberto Garcia Lopez"
der Lobdeburgschule und dem "Instituto Juan XXIII" sowie der Grundschule "Fundación Mateo XXV"

Bibliothek und Internetcafé in Dulce Nombre

Die Errichtung der Bibliothek ist ein Ergebnis der Schulpartnerschaft zwischen der Jenaplanschule und den Schulen Corazòn de Jesús sowie Arlen Siu in Dulce Nombre: In der langjährigen Beziehung zwischen den Schulen und vor allem in den Schüleraustauschprojekten ist der Wunsch entstanden, die Bildungsmöglichkeiten für die Kinder und Jugendlichen zu verbessern.
Beim Kauf neuer Bücher wird die Bibliothek auch von der Städtepartnerschaftgruppe in Biel/Bienne (Schweiz) unterstützt.

Im Jahr 2016 konnten wir mit finanzieller Unterstützung mehrerer Partner in der Bibliothek ein Internetcafé einrichten, das der Bevölkerung von Dulce Nombre und der benachbarten Dörfer offensteht.

Für eine bessere Gesundheit der Sanmarqueños

Seit Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Jena und San Marcos, also seit 1998, unterstützen wir die Gesundheitsversorgung und die Krankheitsprävention in unserer Partnerstadt.

In diesen Jahren haben Sie, unsere Spender, die mobile Versorgung erkrankter Einwohner der chronisch unterversorgten Trockenzone finanziert, mit Unterstützung der Stiftung Nord-Süd-Brücken eine alternative Krankenkasse in der Region installiert und es wurden Workshops und Unterrichtsstunden zur Gesundheitserziehung von Schülern und Jugendlichen organisiert.

 

Seit einigen Jahren befinden wir uns dabei in der vorteilhaften Situation, dass wir unsere Projekte in Kooperation mit dem staatlichen Gesundheitswesen durchführen können. So wurden die Kosten für die Aktivitäten der Präventionsmedizin seit 2008 anteilig vom nikaraguanischen Staat und unseren Spendern getragen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die sandinistische Regierung die Gesundheitsversorgung ebenso wie die Schulbildung zu ihren Prioritäten erklärt hat.  

 

Unsere derzeitigen Aktivitäten:

  1. Das Projekt der Präventionsmedizin haben wir Mitte des Jahres 2015 in die Hände der von uns ausgebildeten Multiplikatoren der Dorfgemeinschaften in der Trockenzone übergeben. mehr
  2. Auf Initiative der Ersten Dame Nicaraguas, compañera Rosario Murillo, wurden in allen größeren Städten des Landes Geburtshäuser gegründet. Diese haben zum Ziel, die Neugeborenen- und Müttersterblichkeit weiter zu senken und Frauen aus entlegenen Regionen eine sichere Entbindung zu gewährleisten. mehr
  3. In Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsdienst der Deutschen Augenoptiker konnten wir in San Marcos eine Optikerwerkstatt einrichten, die neue Brillen zu günstigen Preisen an Bedürftige abgibt.
    mehr
  4. In Zusammenarbeit mit dem Amtsarzt von Carazo (dem Departement, in dem San Marcos liegt) wurde ein Projekt gestartet, um behinderten Menschen Rollstühle zur Verfügung zu stellen. mehr

Folgende Projektaktivitäten haben wir in den vergangenen Jahren begleitet bzw. fördern wir weiterhin:
(bitte klicken Sie auf die Fotos, um zu den Projekteschreibungen zu kommen)

todos con voz - alle haben eine Stimme

Betreuung von behinderten Kindern und Jugendlichen
die kommunale Optikerwerkstatt
Präventionsmedizin
das Geburtshaus von San Marcos
Rollstühle

Müllprojekt

Nicaragua hat ein Müllproblem …

… wie Deutschland auch.

Und doch sind die Probleme unterschiedlich.

Während die reiche BRD es sich leisten kann, dieses Problem durch Gebühren, Verwertung oder (legalen wie illegalen) Export zu lösen, bleiben nikaraguanische Städte wie San Marcos auf ihrem Müll sitzen – und das ist allzuoft wörtlich zu nehmen.

Die Vermüllung vieler nicaraguanischer Städ-te hat andere Ursachen als bei uns:

· Die Industrie- und damit die Wegwerfgesell-schaft ist in relativ kurzer Zeit über Nicaragua ge­kommen: Wo vor 40 Jahren das Essen auf der Straße noch auf Bananenblättern oder Papptellern verkauft wurde, dominieren heute Plasteteller und -flaschen die Szene. Und hier kommt der menschliche Faktor in´s Spiel, denn Gewohnheiten ändern sich auch in Lateinamerika wesentlich langsamer als die Technologie, und so wird die Getränkeflasche eben aus dem Bus geworfen, statt sie zum nächsten Abfalleimer (von denen es zudem zu wenige gibt) zu tragen.

· Müllvermeidung, Mülltrennung, Müllverwertung – das alles muß man sich leisten können; Um­weltschutz kommt erst dran, wenn man satt ist, ein Dach über dem Kopf hat und über eine ent­sprechende Bildung verfügt. In einem gebeutelten und ausgebeuteten Land wie Nicaragua stehen viele Probleme zur Lösung an – das Müllproblem rangiert dabei noch nicht an erster Stelle. Doch sowohl die Zentral- als auch die Lokalregierung haben die Zeichen der Zeit erkannt und so rücken sowohl die Abfallbehandlung als auch der Umweltschutz immer mehr in den Fokus der politischen Aktivitäten: eine gute Voraussetzung dafür, unsere Projekte in Kooperation zwischen den Stadtverwaltungen und den Vereinen zu planen.

· Auch wenn mit Recycling und anderen Technologien der Müllverwertung Geld verdient werden kann – die Anfangsinvestitionen zur Verbesserung der Müllentsorgung müssen erst einmal aufge­bracht werden. Und genau hier setzt unser Projekt an.

Vorgeschichte: Es ist schon zu einer kleinen Tradition geworden, daß unser Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter ein größeres Projekt in unserer Partnerstadt San Marcos „adoptiert“. Nachdem das erste große Vorhaben, die Installation eines kommunalen Radiosenders in San Mar­cos, im Jahr 2009 erfolgreich beendet werden konnte (das Radio arbeitet inzwischen kosten­deckend), packen wir jetzt den nächsten Brocken an.

Das Müllprojekt hat verschiedene Schritte:

· Es wurde ein Wertstoffhof eingerichtet, welche den bisherigen, nahezu ausgelasteten ungeordneten Müllablade-platz ersetzt. Das Grundstück – welches die Stadt San Marcos als ein Eigenanteil in das Vorhaben einbringt – ist groß genug, um hier den Müll zu klassifizieren, zu trennen und seiner weiteren Verwendung zuzuführen.

· Etwa 80% des Hausmülls bestehen in Nikaragua aus organischen Stoffen. Ein großer Teil davon kann in einer Biogasanlage verwertet werden, ein Teil wird kompostiert. Der so ge­wonnene biologische Dünger wird verkauft, was zur finanziellen Nachhaltigkeit des Müllsystems beiträgt. Daneben kann er dazu verwendet werden, den Boden auf städtischen Flä­chen und in öffentlichen Parks zu verbessern.

· Bei den übrigen, nichtorganischen 20% des Abfalls geht es darum, die recycelfähigen Anteile wie Papier, Metalle und bestimmte Plastesorten vom Restmüll zu trennen. Das soll zum einen in den Haushalten und zum anderen auf der Deponie geschehen.

· Um die Mülltrennung in den Haushalten voranzubringen, wird eine intensive Öffentlichkeitsarbeit über Schulen, Kirchen, das kommunale Radio u. a. betrieben. Das geschieht im Rahmen der Klimapartnerschaft zwischen Jena und San Marcos und wird außerdem von der Städtepartnerschaft Biel - San Marcos gefördert.
Um die Müllerfassung zu verbessern, haben Biel, Helmond und Jena den Kauf von Hand- und Pferdewagen finanziert, damit der getrennt gesammelte organische Abfall zu den Biogasanlagen transportiert werden kann.
Parallel dazu werden an gut zu­gänglichen Orten Sekundärrohstoffsammelstellen eingerichtet.

· In den landwirtschaftlich geprägten Außenbezirken und in Dörfern bei San Marcos werden kleine Biogasanlagen installiert, um organische Abfälle in Biogas und biologischen Dünger zu verwandeln. Es ist vorgesehen und sinnvoll, diese Biogasanlagen mit Blockheizkraftwerken zu koppeln. Letztere sind aber in Nicaragua noch nicht verfügbar.

· Als Teil der Öffentlichkeitsarbeit wird darauf hingewirkt, daß mehr Haushalte als bisher ihre Müllgebühren be-zahlen. Das ist in einem armen und wirtschaftlich schwachen Land wie Nicaragua schwer genug, appelliert aber an die Verantwortung der Bürger für das Gemeinwesen. 

Was wir mit diesem Müllprojekt vorhaben, ist nicht nur das bisher größte Projekt, das wir in San Marcos begleiten – es ist für diese Stadt auch eine große Umwälzung. Und es ist ein weiterer Aus­druck der Freundschaft, der Partner-schaft, die in den vergangenen Jahren zwischen San Marcos und seinen europäischen Partnerstädten gewachsen ist.

Berichte über den Besuch einer Delegation aus Jena im November 2011 hier

Bibliothek

 

Stellen Sie sich ein Dorf vor, 15 km von der nächsten Stadt entfernt, nur über eine unbefestigte, in der Regenzeit kaum benutzbare Straße erreichbar, in der die Mehrzahl der Familien von der Landwirtschaft lebt. Nicht alle Hütten haben einen Strom- und Wasseranschluss. Schnell mal im Internet etwas für den nächsten Unterrichtstag suchen, in einem Buch etwas für die Hausaufgaben suchen oder einfach mal in einem Bildband blättern - für die Kinder und Jugendlichen in diesem Dorf war das bisher unmöglich.

Mit und für die Schüler in den Dörfern Dulce Nombre, San Pedro de los Molinas, Brasilito, Ojoche de Agua und Los Mojica konnten wir einen Traum verwirklichen: eine Bibliothek zu errichten, die den Namen des nicaraguanischen Nationalvogels GUARDABARRANCO trägt.

Das Motto dieser Einrichtung lautet: Wer das Lesen erlernt, der lernt für das Leben.

Die Errichtung der Bibliothek ist ein Ergebnis der Schulpartnerschaft zwischen der Jenaplanschule und den Schulen Corazòn de Jesús sowie Arlen Siu in Dulce Nombre: In der langjährigen Beziehung zwischen den Schulen und vor allem in den Schüleraustauschprojekten ist der Wunsch entstanden, die Bildungsmöglichkeiten für die Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Beim Kauf neuer Bücher wird die Bibliothek auch von der Städtepartnerschaftgruppe in Biel/Bienne (Schweiz) unterstützt. Das Projekt wurde möglich durch eine Förderung durch die Stiftung Jugend hilft und private Spenden.

Im Jahr 2009 gegründet, 2014 renoviert und erweitert, wird die Bibliothek „Guardabarranco“ seither von unserem Partnerverein APRODIM unterhalten und ausgebaut. Gedacht als Ort der Begegnung und des Lernens, bietet sie neben der Ausleihe von Büchern mittlerweile auch verschiedene Kurse, kulturelle Aktivitäten und ein Internetcafé. In ihrem Garten entstand in einem gemeinsamen Projekt von nicaraguanischen und deutschen Schülern ein Spielplatz aus recycelten Materialien, der erste Schritt eines umfassenden Müllprojektes.

Mit Spendern von Mitgliedern der Bürgerenergie Jena konnte auf dem Gebäude eine Photovoltaikanlage installiert werden, so dass die Bibliothek und das Internetcafé mit nachhaltig produziwerter Energie und vom Stromnetz unabhängig fiunktionieren.

Ziele der Bibliothek


Lesen und Lernen

Die Bibliothek lockt mit unterschiedlichen ausleihbaren Büchern. Neben Romanen und Unterhaltungsliteratur gibt es eine Auswahl an Lehr- und Sachbüchern. Regelmäßig wird Hausaufgabenhilfe angeboten. Täglich können die Schüler die Räumlichkeiten zum Lesen und Arbeiten nutzen, da viele zu Hause kein ruhiges Lernumfeld haben. In Dulce Nombre und den umliegenden Gemeinden wird der Unterricht durch einen „Reisenden Rucksack“ unterstützt, mit dem Schul- und Geschichtenbücher verliehen werden. Mit Veranstaltungen, wie Lesungen für Kinder und Jugendliche, soll die Begeisterung für das Lesen gefördert werden.

Die Angebote der Bibliothek richten sich zunächst an die ca. 300 Schüler der benachbarten Schulen, darüber hinaus an mehr als 500 Kinder und Jugendliche aus den Dörfern und Weilern in der Region.

 

 

Die Kurse

Vom Personal der Bibliothek und weltwärts-Freiwilligen des Eine-Welt-Hauses werden unterschiedliche Kurse Art angeboten, die sich am Interesse der Schüler und Jugendlichen orientieren. Unter anderem finden Sprachkurse, Musikunterricht oder Handarbeiten statt. Diese sollen nach Möglichkeit von Kursteilnehmern weitergeführt werden, so geschehen beim Flötenunterricht, welchen nun ein ehemaliger Schüler selbst als Lehrer fortführt. So werden den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung geboten, bei denen sie wichtige Fähigkeiten für ihren weiteren Lebensweg erwerben können.

Das Internetcafé

Die meisten Einwohner von Dulce Nombre und der umliegenden Dörfer mussten früher eine Stunde Busfahrt nach San Marcos auf sich nehmen, um einen Zugang zum Internet zu haben. Seit Juni 2016 gibt es nun auch ein Internetcafé in den Räumen der Bibliothek, welches bereits beim Umbau 2014 eingeplant war. Es soll den Bewohnern der Region einen uneingeschränkten Zugang zu unabhängigen Informationsquellen sowie den Kontakt zu weit entfernten Familienangehörigen, Freunden und Bekannten ermöglichen. Dadurch wird auch die Kommunikation zwischen den Partnerschulen erleichtert.
Aufgrund der isolierten Lage des Dorfes Dulce Nombre ist eine Internetverbindung nur über Satellit möglich.

Ab Juni 2018 soll sich das Internetcafé selbst finanzieren. Bis dahin werden wir mittels einer Anschubfinanzierung über Startschwierigkeiten hinweghelfen. Dieses Verfahren der Projektgründung funktionierte bereits sehr gut beim Radioprojekt.

Wir danken allen, die den Fortschritt dieses Projektes mit einer Spende über startnext unterstützt haben.

Das Müllprojekt

Müll ist gerade in den ländlichen Regionen Nicaraguas noch ein großes Problem, da es keine regelmäßige Müllabfuhr gibt. So wird der Abfall entweder verbrannt oder verteilt sich in der Natur. Um dieses Problem anzugehen, startete Ole Breither in seinem Jahr als Freiwilliger ein Recyclingprojekt, um die Jugendlichen vor Ort für das Thema zu sensibilisieren. Dieses Projekt mündete in den Bau eines Spielplatzes aus alten Autoreifen und Plasteflaschen im Hinterhof der Bibliothek durch eine Kooperation aus nicaraguanischen und deutschen Jugendlichen. Dem sollen weitere Plätze folgen. Außerdem ist der Ausbau eines größer angelegten Müllprojektes mit regelmäßiger Müllentsorgung und befestigtem Müllsammelplatz geplant.

Als zentraler Anlaufpunkt bietet die Bibliothek, welche nach dem nicaraguanischen Nationalvogel benannt ist, einen geeigneten Rahmen für diese neue Initiative.

 

 

Ziele und Visionen

Wir sehen die Bibliothek „Guardabarranco“ als einen Ort der Begegnung. Wir möchten Wissen, Kreativität, Umweltbildung und das Interesse an Lektüre fördern, sowie die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, der Kommunikation und der Freizeitgestaltung erweitern.

Dies sind viele weitere kleine Schritte auf dem Weg zu unserem großen Ziel der Chancengleichheit.

Wir bedanken uns bei allen, die diese Projekte möglich gemacht haben (ausführlicher Bericht).

Filme über die Bibliothek

Auf unserem YouTube-Kanal sehen Sie folgende Filme über das Bibliotheksprojekt:

Video von der Eröffnung des Internetcafés
Interview mit einer Schülerin aus Dulce Nombre über die Nutzung des Internetcafés
Interview mit der verantwortlichen Mitarbeiterin des Internetcafés
Tag des Buches 2016 in der Bibliothek